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Die Suche nach dem Christkind

Kind 1 / Musik: „Ihr Kinderlein kommet“

Kind 2 / Sprecher:

Die Familie war im Wohnzimmer versammelt. Die Kinder liefen aufgeregt von einem Eck zum anderen, immer wieder die Frage nach dem Christkind auf den Lippen. An einem schon vorbereiteten Platz stand ein Tannenbaum, aber noch ungeschmückt und die beiden Helfer des Christkindes, Vater und Mutter, waren eifrig dabei, dem Bäumchen einen weihnachtlichen Schimmer zu verpassen, während aus den Lautsprechern stimmungsvolle Weihnachtsmusik zu hören war.

„Dürfen wir hinaus und nachsehen, ob das Christkind bald kommt?!“ fragten die beiden Kinder stürmisch und waren auch schon fast draußen, als die Mutter ihnen noch Schal und Haube anzog. „Geht nicht zu weit weg!“, rief sie ihnen nach, „und kommt bald wieder! Ihr wollt doch das Christkind nicht verpassen!“

Kind 1 / Musik: „Leise rieselt der Schnee“

Kind 2 / Sprecher:

Die Kinder gingen hinaus und stapften froh und neugierig durch die tief verschneiten Straßen und Feldwege am Rande der Siedlung, in der sie wohnten. Es dämmerte bereits und erneut begann es, zu schneien.

„Du, ob das Christkind wohl von hier kommt?“ fragte Lena und deutete auf einen schmalen Feldweg vor dem Wald. „Nein!“, antwortete ihr Bruder Michael, „sicher nicht, weil, es heißt doch: Von drauß´ vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!“ Die Kinder schlugen also den Waldweg ein, und Lena begann nachdenklich Weihnachtslieder zu trällern:

Kind 1 / Musik: „Alle Jahre wieder“

Kind 2 / Sprecher:

„Ich glaube an das Christkind und nicht an den Weihnachtsmann.“, sagte Lena und Michael lachte, bis er plötzlich stehen blieb und verdutzt sagte: „Schau, da vorne sitzt doch jemand!“

Und wirklich, da hockte ein kleiner Bub, den Kopf eingezogen, mit durchlöcherter Hose und ohne Jacke und Haube. In der Hand hielt er Streichholzschachteln. Etwas unsicher fragten sich die beiden Kinder, was sie mit dem ungepflegten Zigeunerbuben wohl tun sollten und entschieden sich letztendlich für ein paar freundliche Worte und gingen vorbei. „Ob er wohl noch Streichhölzer verkauft heute Nacht? Wer kommt denn jetzt noch hier vorbei?“ fragte wiederum Lena.

Kind 1 /Musik: „Kling Glöckchen klingelingeling“

Kind 2 /Sprecher:

„Du, sag einmal, wie sieht denn das Christkind eigentlich aus?“, fragte Michael seine Schwester. „Na, also auf jeden Fall blond……..ja und so vier Jahre alt, meine ich!“ „Aber geh, mit vier Jahren, wie soll es denn da die Geschenke bringen und all die Kerzen anzünden?“ meinte Michael leicht spöttisch und Lena verzog das Gesicht. „Ich hab mal gelesen, dass das Christkind das ganze Jahr unter uns Menschen ist und prüft, ob sie auch lieb und gut sind. Und dass man es niemals erkennen kann….“ Schweigend gingen die Kinder weiter, als sie plötzlich merkten, dass es mittlerweile stockfinster geworden war. Und es schneite immer heftiger. „Du, ob die zu Hause schon ohne uns mit dem Christkind feiern?“ fragte Lena plötzlich und schlug vor, umzukehren.

Kind 1 / Musik: „Süßer die Glocken nie klingen“

Kind 2 / Sprecher:

Auf ihrem Rückweg kamen sie wieder bei dem kleinen Buben vorbei, der noch immer in derselben Stellung da hockte wie zuvor. „Steh auf!“, rüttelte ihn Michael aus seinem Schlaf. „Du kannst da nicht sitzen bleiben, du erfrierst ja!“ – „Ach, lass mich doch hier sitzen“, fuhr in der Zigeunerbub an und hielt ihnen seine Streichholzschachteln hin.

Die Blicke der Geschwister trafen sich unverhofft und sie traten ein paar Schritte zur Seite: „Glaubst du wirklich….?“ – „Ja, ich bin mir ganz sicher, es hat sich verkleidet! Damit man es nicht erkennt!“

„Willst Du nicht mit uns kommen?“ fragten sie den fremden Buben, „unsere Eltern haben bestimmt nichts dagegen!“ – „Aber ich kann doch nicht einfach mitgehen!“, protestierte er. Doch Michael und Lena zogen ihn mit: „Ach was, die sagen sicher nichts! Wir nehmen dich jetzt einfach mit!“

Kind 1 / Musik: „Als ich bei meinen Schafen wacht“

Kind 2 / Sprecher:

Schnell kamen sie wieder zu Hause an – jetzt mussten sie ja nicht mehr suchend in die Ferne schauen. „Mama, Papa! Kommt, wir haben es gefunden!“ Etwas verdutzt starrten die Eltern den verschmutzten Zigeunerbuben an.

„Es ist das Christkind! Es hat sich nur verkleidet, um uns auf die Probe zu stellen!“ rief Lena überglücklich. Der fremde Bub blickte schweigend und staunend auf den reich geschmückten Gabentisch und den hell erleuchteten Weihnachtsbaum du dann in die verdatterten Gesichter der Eltern.

„Und das hier ist für Dich!“ Lena drückte ihm ein riesiges Marzipanbrot in die Hand und Michael wickelte ihm seinen neuen dicken Schal um den Hals.

„Ihre Kinder sind wirklich ganz besonders lieb zu mir gewesen“, sagte der kleine Zigeunerbub schüchtern, als der die nicht gerade begeisterten Blicke des Vaters aufgenommen hatte. „Aber jetzt muss ich wirklich wieder gehen“

Das fremde Kind ging zur Türe und trat in die eisige Kälte hinaus. Es winkte noch einmal zurück, als es in der Finsternis und dem Schneegestöber verschwand. Doch als die Kinder und die Eltern ihm noch fröhliche Weihnachten nachriefen, bemerkten alle erstaunt den goldenen Schimmer in den Fußspuren des fremden Kindes.

Kind 1 / Musik: „Stille Nacht, heilige Nacht“

Ich habe das kleine Weihnachtsstück mit meinen beiden Kindern am Heiligen Abend vor der Familie vorgespielt und es waren alle begeistert. Eines der Kinder hat gesprochen, das andere auf der Geige zu Klavierbegleitung die Lieder dazwischen gespielt.

Einsenderin: Sabine Rössler