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Fest des Hl. Nikolaus (6. Dezember)

Im Jahre 1071 wurden die Gebeine des Bischofs Nikolaus von Myra in Kleinasien von Konstantinopel nach Bari in Oberitalien gebracht. Dadurch entstand ein weit verbreiteteter Kult in Europa. Über den hl. Nikolaus selbst ist kaum etwas bekannt, vermutlich hat man sogar sein Leben mit dem einer anderen Persönlichkeit vermischt.

Drei Legenden sind für seine Bedeutung entscheidend.

Eine Legende erzählt, dass er drei armen jungen Mädchen drei Goldkugeln ins Haus warf, damit sie heiraten konnten.

Die zweite berichtet davon, dass er Schiffsleute aus Seenot errettete, wodurch er zum Patron der Schiffsleute wurde. So ist zum Beispiel die Pfarrkirche in Hall dem hl. Nikolaus geweiht. Hall war das westliche Ende der Innschifffahrt.

Der dritten Legende nach soll er drei Schüler, die von einem Wirt zerschnitten und eingepöckelt worden waren, zum Leben erweckt haben. Deshalb gilt er als Patron der Schüler und Studenten. Damit verbunden ist seine Rolle der religiösen Unterweisung und Prüfung des kirchlichen Wissens. Die Geprüften erhielten dabei kleine Geschenke als Belohnung – deshalb ist der hl. Nikolaus auch der Gabenbringer.

Im Mittelalter zeigt sich der Hang zum drastischen Schauspiel, weshalb im Laufe der Zeit der Nikolaus vom Teufel begleitet wurde. Er steht für das verfehlte, gegen den christlichen Glauben geleitete Leben. Dieser Teufel wird als „Krampus“ bezeichnet.

Hl. Nikolaus – Weihnachtsmann

Über die Jahrhunderte hat die Gestalt des Nikolaus jene des Weihnachtsmannes angenommen. Was ist nun der Unterschied zwischen dem „Nikolaus“ und dem „Weihnachtsmann“? Hier sind zwei Aspekte zu nennen:

Erstens ist hier anzuführen, dass sich die Protestanten weigerten, in Nikolaus den alleinigen Gabenbringer der Christenheit zu sehen. Schon Martin Luther trat Anfang des 16. Jahrhunderts gegen diesen „kindischen Brauch“ auf. Die Protestanten förderten dagegen das Gabenbringen durch das „Christkind“ und förderten somit die Verbreitung des Weihnachtsfestes in der heutigen Gestalt. Den Nikolaus und den Krampus legten sie in einer Figur zusammen.

Zweitens gilt der Umstand, dass in der äußerst kommerziell orientierten amerikanischen Kultur die Vermischung vom lobend/strafenden Nikolaus und dem Christkind (eben der „Weihnachtsmann“) auch von den Walt-Disney-Studios seit der Mitte des 20. Jahrhunderts in aller Welt verbreitet wurde. So entstand der Weihnachtsmann mit einem roten Mantel und der weißverbrämten Zipfelmütze, der eine Rute bei sich trägt.

Daran sieht man, dass Bräuche wandelbar sind: gesellschaftliche Veränderungen, Wirtschaft, Medien sorgen dafür. Wir sind gerade in diesem radikalen Wandel verhaftet.

Einst gab es zahlreiche Nikolausspiele, von denen nur mehr wenige erhalten sind. Letzte Überreste davon finden sich in Reith im Alpbachtal, in Stans im Unterinntal und in Hart im Zillertal.

Noch üblich ist das „Perchtenlaufen“. Die Beteiligten verbergen sich unter Fellkostümen und Larven, hängen sich Glocken um und ziehen lärmend durch die Dörfer. Über den Ursprung und die Funktion dieses Brauches ist wenig bekannt. Erste Nachrichten stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Perchten liefen am Nikolaustag, zu Dreikönig und in der Fastnacht. Die Interpretation als Fruchtbarkeitskult oder Winteraustreiben ist problematisch. Heute treten Perchten und Nikolaus meist gemeinsam auf.

Von Mag. Anton Prock
www.tibs.at/weihnachten