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Joseph und Olly

„Joseph, komm mal her und schau!“ Marie hielt die Haustüre weit offen. „Guck doch mal den schönen Schnee an!“ Marie grinste von einem Ohr zum anderen, und natürlich musste Joseph auch lachen.

Seitdem er zu Marie gezogen war vor einem Jahr hatte er vieles gelernt von der älteren Frau. Sie sah die Schönheit in der Natur um sie herum und machte Joseph darauf aufmerksam. Früher hatte er vieles gar nicht bemerkt, und es machte ihm Spass zu sehen, wie Marie sich an den einfachsten Dingen freuen konnte.

Im Moment war sie voller Freude über den herrlichen Schnee, den sie beim Aufwachen entdeckte. Ihr Haus stand am Rande eines kleinem Dorfes, und hinter dem Haus fing ein grosser, geheimnissvoller Wald an. Es sah alles aus wie in einem Märchenland. Hohe Tannen trugen schimmernden Schnee, und hier und da fielen dicke Flocken zwischen den Zweigen durch auf die weiche Decke, die alles zudeckte. Ein paar Spuren waren zu sehen, die von den Waldtieren und Vögeln gemacht waren. Es war geheimnissvoll still; wie es nur der Schnee fertig bringt. Die Luft war frisch und kalt, und Joseph atmete tief ein.

„Marie, meinst du dass die Tiere heute genug zu essen finden werden?“
Die Tiere waren seine Freunde, er hatte praktisch mit ihnen im Walde gelebt letztes Jahr. Marie hatte ihn im Walde gefunden und zu sich heim eingeladen, wo er auch gerne blieb. Er hatte bei einem Bombenangriff seinen Grossvater verloren und war ganz alleine gewesen. Wochenlang war er in der Stadt herum gelaufen, mit seinem Hund „Puppy“, und hatte sich kaum ernähren können. Oft schlief er im Walde zwischen den Tieren, die sich bald an ihn gewöhnt hatten.

„Ach, ich denke schon“, meinte Marie „aber es hat ganz schön viel geschneit… vielleicht gehen wir später raus und bringen etwas Heu, es ist ja nicht weit.“ Ja, da würde sich Joseph auch befriedigt fühlen, denn er sorgte sich sonst. Der Kaffee roch schon so gut. Joseph setzte Teller und Tassen auf den kleinen Tisch. Zum Kaffee gab es braunes Brot, frische Butter und Pflaumenmus. Ein gekochtes Ei stand vor ihnen in einem Eierbecher, und Joseph schälte es zur Hälfte, damit er es mit seinem Löffel essen konnte. Er wunderte sich ob sein Ei von Erna war. Sie hatten Hühner, die fast wie Familienmitglieder waren. Die grosse braune Erna liess sich gerne von Jospeh rumtragen. Da heute Sonntag war, begleitete er Marie in die alte Dorfkirche. Die Glocken klangen so hell und klar heute. Der Weg war so verschneit, das sie manchmal nicht wussten, ob sie auf Strasse oder Wiese liefen.

Am Nachmittag füllte Joseph das alte hölzerne Handwägelchen mit Heu und sie liefen langsam in den Wald. Es sah weihnachtlich aus, obwohl das Fest noch einige Wochen weg war. Sie füllten das Heu in die Krippe und schauten sich um. Keine Tiere waren zu sehen. „Die haben sich alle in ihren Höhlen, Nestern und Bäumen verkrochen, um warm zu bleiben“, meinte Marie. „Aber der Hunger bringt sie doch bald raus. Sie werden sich über das Heu freuen.“

Zufrieden wanderten sie heimwärts. Joseph dachte an Weihnachten und wie einsam und arm er letztes Jahr um diese Zeit war. Er hatte sich gefürchtet vor dem langen, kalten Winter damals und hoffte, das ein Engel käme und ihn rettete. Marie war dieser Engel gewesen. Dieses Jahr freute er sich auf die Festtage.

Er arbeitete schon an Geschenken für Marie, wovon  sie nichts wusste.
Zusammen mit seinem Freund Toni bastelte er zwei  Vogelhäuschen. Oh, die werden gut ausehen, nachdem er sie bemalt hat! Marie hatte Vögel lieb und es machte ihr Spass, sie zu beobachten. „Komm Joseph, wir gehen wieder heim“, sagte Marie leise und sie machten sich auf den Weg. Ihr langer Rock streifte über den hohen Schnee. Joseph dachte an das Abendessen, denn er hatte Hunger, als sie plötzlich ein Geräusch hörten. „Hörst du das? Was ist das bloss?“ wunderte sich Joseph. Beide schlichen sich näher an die traurigen, erbärmlich fiebenden Laute zu. „Was ist denn da passiert? Schau doch das arme Kleine an!“ Marie lief auf das kleine Reh zu, das offensichtlich in eine Falle geraten war. Das Reh war voller Angst, konnte sich aber nicht befreien. Sein Beinchen war ganz blutig gerieben und das Kleine zitterte am ganzem Körper. Joseph war sehr aufgeregt. „Marie,wir müssen helfen.“ Marie war schon dabei und versuchte, die Falle auseinander zu zwingen. Das Rehlein piepste verzweifelt. „Oh, ist das schwer! Hole einen starken Ast, Joseph, und stecke ihn hier rein. Das wird es offen halten und ich ziehe das Kleine raus.“ Endlich konnten sie die Falle öffnen. Das Reh versuchte, sie zu treten und wand sich hin und her, um ihnen zu entkommen. Das Beinchen sah schlecht aus – Blut war überall.

Zusammen packten sie das Rehchen in den Wagen und Joseph deckte es mit seiner Jacke zu. Er wusste, dass Rehe sich nicht so fürchteten, wenn sie versteckt waren. Er hielt seine Hand auf dem Kleinen und Marie zog das kleine Wägelchen. Joseph war froh, als sie daheim ankamen, er war ganz verfroren. Sie brachten das Rehkitz in die Stube. Marie holte ein paar Säcke und da legten sie das Reh drauf, neben dem Holzofen. Das Reh war sehr still jetzt. „Lebt es noch?“ Joseph sorgte sich. „Ja, es ist nur erschöpft.“ Marie ging und machte eine Medizin mit ihren Kräutern. Sie war bekannt für ihre Heilkünste und Menschen kamen zu ihr, wenn sie krank waren. Bestimmt konnte sie ein kleines Tierchen heilen. Joseph war froh, das Marie so klug war. Das verletzte Bein wurde mit warmem Wasser gewaschen, dann machte Marie einen dicken Brei darauf und verband es gut. „Ich glaube, wir haben es mit einem Fallow Reh zu tun. Schau mal, der helle Streifen auf seinem Rücken, der geht sogar den Schwanz runter. Was für ein schönes Tierchen es ist“ Marie lächelte.

Das Rehkitz lag nun erschöpft und still da. Es nahm kein Wasser zu sich. „Das wird eine Weile dauern, bis es sich an uns gewöhnt“, meinte Marie. „Tiere essen nicht, wenn sie krank sind“, erklärte ihm Marie.

Am Montag rannte Joseph heim von der Schule. Er sorgte sich um das kleine Reh. Es war wach und schaute ihn mit grossen braunen Augen an. Es hatte noch nichts gegessen. Marie war dabei, das Brot zu backen für die Woche. Sie tat das jeden Montag. „Stirbt es, wenn es nichts isst?“ fragte Joseph besorgt. „Warte nur ein Weilchen, es muss sich noch an uns gewöhnen. Bestimmt tut das Bein ihm auch weh“, sagte Marie. Später am Abend setzte sich Joseph neben das Reh und sprach leise. Es schien nicht mehr so nervös zu sein! „Marie, wir müssen ihm einen Namen geben“, meinte Joseph. „Ja, was meinst du? Denke dir einen aus“, sprach Marie. „Wie wärs mit Oliver, und wir könnten ihn Olly rufen“, Joseph grinste sie an. „Ja, das ist schön und kurz. Also, nun haben wir OLLY!“ Marie musste auch lachen über Josephs Eifer mit dem hilflosen Rehchen. Joseph legte seine Hand auf den Rücken des Tieres, es zuckte und schaute ihn an, aber dann beruhigte es sich. Joseph streichelte es, und es schien schläfrig zu werden. Leise schlich sich Joseph weg.

Jeder Tag fand den kleinen Wildfang etwas besser, aber er hatte noch nicht versucht, auf dem verletzten Bein zu laufen. Weihnachten rückte näher, und Joseph machte im Geheimen mit seinem Freund Toni die Vogelhäuschen fertig. Jetzt mussten sie bloss noch bemalt werden. Er würde Maries Namen draufschreiben. Toni machte auch eines für seine Mutter und eins für seine ältere Schwester. „Die werden Augen machen!“ grinste er, zufrieden mit seiner Arbeit. Vom Haus kam ein wunderbarer Duft. Marie war dabei, Stollen zu backen. Joseph sah Rosinen, Mandeln und Nüsse und wusste, das wird was Feines werden! Sie hatten Tannenzweige, Tannenzapfen und andere grüne Zweige gesammelt und damit das Haus dekoriert. Der grosse, dicke Adventskranz hing im Wohnzimmer, mit roten Kerzen und Schleifen. Diesen kommenden Sonntag werden sie die lezte Kerze anzünden und dann wird es Weihnachten sein! Die Weihnachtsferien hatten begonnen.

OLLY lief nun langsam im Haus rum. Er war sehr neugierig, steckte seine Nase in Maries Korb und nahm sich einen Apfel raus. Joseph musste lachen.

Joseph hatte vor, zum Fest im Walde eine schöne Tanne für die Tiere zu schmücken. Marie gefiel die Idee, und sie dachte sich aus, was sie alles an den Baum hängen könnten. „Wir machen kleine Bündel von dem Weizen, Roggen und Hafer, den wir gesammelt haben, und wir können sie auch mit aufhängen.“ Sie sammelten alles ein, nachdem der Bauer mit dem Feld fertig war, und brachten es ihren Hühnern. Auch werden sie Nüsse fuer die Eichhörnchen, Mais und Sonnenblumenköpfchen an den Baum hängen. Trockene Brotstücke und ein paar rote Äpfel… ach, es wird gut werden! Ein herrliches „Heilig Abend“ Essen!

Joseph fand das Leben auf dem Land interessant, es gab immer etwas zu tun. Olly freute sich über die Samen, die beim zusammenbinden der Ähren runterfielen. „Der ist ein guter Besen, Marie“, lachte er. Am Sonntag nachmittag zog Joseph den grossen Holzschlitten und sie machten sich auf den Weg in den Wald. Sie hatten eine Säge dabei, um eine schöne Weihnachtstanne heim zubringen. Auf Maries Grundstücken gab es viele Bäume, auch Tannen. Es dauerte auch gar nicht lang und bald hatten sie das grüne, wohlriechende Bäumchen auf den Schlitten gebunden. Dann suchten sie das perfekte Tannenbäumchen, das sie für die Tiere schmücken wollten. „Schau mal hier, ich glaube, das ist richtig! Es steht ja auch gleich hier in der Mitte und wird von allen gut gefunden werden.“ Marie lief um die herrliche Tanne herum und betrachtete sie von allen Seiten. „Ja, der Baum ist gut! Den will ich schmücken.“ Joseph suchte schon die Beutel und Körbe, in denen die Äpfel, Maiskolben und alles andere drin war. Die Bündel aus Weizen, Hafer und Roggen waren mit roten Schleifen zusammen gebunden und schauten gut aus. Ganz oben an die Spitze hängten sie den grössten Sonnenblumenkopf, den sie hatten. Die Maiskolben banden sie mit Schnüren an die Zweige, auch die Äpfel und das Brot. Es sah so schön aus, dass sie beide überrascht waren.

Leise traten sie zurück vom Baum und warteten eine Weile. Es dauerte auch nicht lange, da sahen sie die ersten Vögel, die sich auf das Bäumchen niederliessen. Sie pickten und futterten eifrig. Da kam ein Hase und schnupperte einen Apfel an. Zwei Eichhörnchen machten sich schnell an einem Maiskolben zu schaffen. Mehrere Vögel kamen angeflogen. Marie und Joseph standen hinter den Bäumen und beobachteten alles mit Freude. Sie waren sehr zufrieden mit ihrem Weihnachtsgeschenk für die Waldtiere. „Schau dir das doch an, wie lieb sie sind. Es ist gut, das wir das für die Tiere tun, denn sie bereiten uns so viel Freude das ganze Jahr lang.“ Wieder zuhause angekommen trug Joseph die Tanne in die Scheune, sie wird erst später geschmückt werden. Im Haus rannte Olly erfreut auf sie zu. Er war nun vertraut mit Joseph und Marie, und lief schon ziemlich gut auf dem verletztem Beinchen. „Olly, draussen ist es kalt.“ Joseph streichelte das Reh, gab ihm eine Karotte und dann hielt er seine kalten Hände vor das Feuer im Herd.

Am nächsten Morgen holte Joseph Holz für den Ofen, und sah viele Spuren um das Haus. Sie stammten von Rehen. „Warum rennen da so viele Rehe hier rum?“ wunderte er sich. Als er noch mal die Spuren ansah, merkte er, das sie alle die gleiche Grösse hatten.

Toni und Joseph hatten die Vogelhäuser fertig bemalt und waren stolz auf ihre Arbeit. Heute werden sie alles verpacken in braunes Papier. Aber sie dekorierten es mit kleinen Tannenzweigen und roten Wollfäden. Es sah wirklich gut aus! Sie versteckten alles wieder, bis es Zeit war, sie unter den Baum zu stellen.

Weihnachten war sehr nah nun, und die Kinder freuten sich schon. Nach dem Abendessen schaute Marie aus dem Fenster und sagte zu Joseph: „Schau doch mal das Reh dort, es steht schon eine lange Zeit hier rum. Ich wundere mich, was es will? Ich werde etwas zum Essen raustun, vielleicht hat es Hunger. Aber Rehe machen das doch eigentlich nie…“, sie murmelte vor sich hin. „Komisch..“ „Wäre das nicht schön, wenn das Ollys Mama wäre? Aber seine Mama nimmt ihm bestimmt nicht mehr an, seitdem er hier bei uns Menschen war.“ „Ach, ich werde ihn versorgen“, meinte Joseph. „Du weisst, er ist ein wildes Tier und kann nicht hier mit uns leben. Er muss im Freien rumrennen können, um glücklich zu sein.“ Joseph gefiel das gar nicht. Olly lief zur Türe und schnüffelte. „Olly, du kannst noch nicht raus gehen.“ Joseph tröstete ihn.

Am nächsten Morgen hatten sie wieder frischen Schnee. „Darf ich mit dem Schlitten rausgehn und rodeln mit Toni?“ „Ja, geh nur für eine Weile, aber dann wollen wir den Baum dekorieren.“ „Oh, das macht auch Spass!“ Joseph freute sich. Als er den Schlitten aus der Scheune holte, sah er wieder die Spuren im neuem Schnee.“ Da ist wirklich ein Reh hier, ich sehe überall die Spur im Hof“, er war ganz aufgeregt.“ Ob das Ollys Mama war? Aber das gab es ja nicht. Marie brachte einen Eimer raus, der mit Küchenabfall gefüllt war. Sie stellte es an die Scheune. Vom Küchenfenster konnte sie sehen, ob ein Tier zu dem Eimer lief. Es dauerte lange, aber endlich kam doch ein Reh langsam auf den Eimer zugelaufen. Marie sah, das es eine Ricke war. Vorsichtig sah sie sich um, dann schnüffelte sie den Eimer an. Sie fing an, etwas zu kauen. Marie entdeckte, das es ein Fallow Reh war; genau so wie Olly! „Ich kann mir nicht denken, das es seine Mama ist. Das ist ja komisch.“ Joseph wunderte sich auch. „Die meisten Fallow Jungen werden im Mai geboren, aber Olly scheint ein Nachzügler zu sein, denn er ist noch ziemlich klein. Aber es kommt auch vor, das manche etwas später geboren werden“, erklärte Marie ihm. „Vielleicht ist das seine Mama! Wer weiss, es ist Weihnachten, und alles ist möglich.“ Joseph wollte das junge Reh nicht verlieren, aber er wusste, das er eines Tages wieder weggehen musste.

Endlich war es Heilig Abend. Der Baum stand im Wohnzimmer und funkelte in seiner Pracht. Sie hatten viele Kugeln an die Zweige gehängt, sowie auch goldene Nüsse, Strohsterne und gläserne Eiszapfen. Die roten Kerzen steckten in den Haltern, die sich an die Zweige klammerten. Joseph kamen die Tränen, als er an das letzte Weihnachten mit seiner verlorenen Familie denken musste. Marie nahm ihn wortlos in die Arme und hielt ihn. „Joseph, tut es dir leid, mit mir hier zu leben?“ fragte sie ihn. „Ach nein, – nie!“ behauptete Joseph. Er hatte Marie lieb gewonnen und war zufrieden. Marie lächelte still. Bald war es Zeit, zur Kirche zu gehen. Eine hohe Tanne stand in der Kirche, und sie sangen alle die schönen alten Weihnachtslieder. Die alte Kirche sah zauberhaft aus, mit den Lichtern und Kerzen, und der Schnee glitzerte. Alle Menschen lachten froh und eilten durch das geschmückte Dorf heim. Bald kam der Weihnachtsmann!

Nachdem sie ein leichtes Abendessen eingenommen hatten, zündeten sie die Kerzen am Baum an und setzten sich an den Kamin. Marie fing an „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen und Joseph sang mit. Nach einer kleinen Weile sagte Marie: „Hol doch mal ein paar Plätzchen aus der Kammer für uns“, und als Joseph wieder ins Zimmer kam, lagen mehrere Packete vor dem Weihnachtsbaum. „Der Weihnachtsmann ist gekommen.“ Marie grinste glücklich. Joseph freute sich über die schön gestrickten Handschuhe, den Schal und die Mütze. Sogar einen dicken Pullover hatte Marie ihm gemacht! Dass Marie heimlich alte Pullover aufgetrennt hatte, um die Wolle wieder zu verwenden, das wusste er nicht. Joseph brachte seine Geschenke, und Marie freute sich sehr darüber. „Oh, wie gut du das gemacht hast! Ich werde so viel Spass haben, die Vögelchen zu beobachten.“ Maries Augen funkelten vor Freude.

Sogar Olly bekam ein Geschenk. Joseph hatte drei Stränge Leder zusammen geflochten und band es um Ollys Halz. „Da – nun siehst du schick aus“, meinte er. Das Rehchen guckte alles verwundert an und schnüffelte. „Was ist das?“ Beide horchten auf, als sie ein Geräusch an der Hintertüre hörten. Ein Kratzen, Scharren und Klopfen…was ist da los? Marie öffnete die Türe, und die Ricke hopste zurück. Aber sie ging nicht weit weg, sie lief nervös hin und her und guckte sie an. Sie konnten ihren Atem sehen in der Kälte. Sie schnüffelte, und machte einen bellenden Laut. Joseph und Marie standen verwundert da und warteten. Was geht hier vor sich? Olly kam zur Türe gelaufen und schnüffelte. Die Ricke kam wieder etwas näher und schnaufte laut. Josephs Herz schlug laut, er ahnte wer die Rehdame war. „Marie wie ist das möglich? Und Olly ist doch bestimmt noch nicht voll ausgeheilt“,  flüsterte er. Olly gab kleine Laute von sich und lief langsam weiter in den Hof. Joseph wusste, sein kleiner Freund wollte ihn verlassen. Marie legte ihre Hand auf seine Schultern. „Seine Mama kann ihn besser als wir versorgen, er braucht sie.“ „Es ist ein Wunder, ein Weihnachtswunder“, Beide standen sie an der Türe mit Tränen in den Augen. Olly war glücklich, seine Mama zu haben, das konnten sie deutlich sehen!
Der silberne Mond strahlte auf die Ricke und ihr Junges, als sie langsam im winterlichem Wald verschwanden. Joseph und Marie standen eine Weile an der offenen Türe. Die Ricke hatte zurück geschaut und ihre grossen, braunen Augen schienen zu sagen: „Danke!“

von Brigitte Aubrey