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Katies neues Leben

by Bridget Aubrey

Der Winter des Jahres 1953 war sehr kalt.
Katie steckte ihre frierenden Finger tiefer in ihre Taschen. Das half etwas, aber nicht viel. Sie wuenschte, dass sie einen warmen, dicken Mantel haette, so wie die anderen Maedchen in ihrer Klasse. Ihr Mantel war schon ziemlich duenn und alt. Eine nette Nachbarin hatte Katie den Mantel gegeben.
Geld war knapp zur Zeit. Katie und ihre Familie sind vor ein paar Monaten vom Osten Deutschlands in den Westen geflohen, und nun wohnten sie bei der Oma oben unter dem Dach. Ihre Eltern gingen beide arbeiten, aber es war schwer fuer die Famile wieder von vorne anzufangen, nachdem sie alles verloren hatten.
Es war gut, dass sie die Oma und den Opa hatten, wo sie zur Zeit bleiben konnten. Katie mochte die Grosseltern gerne, und war erstaunt ueber ihr „Neues Leben“. Sie sah so viele Dinge hier, die ihr fremd waren. Wenn sie in die Geschaefte ging, konnte sie es kaum glauben, was es hier alles gab! Es kam ihr wie ein Maerchenland vor. Wenn sie nur Geld haette, gerne weurde sie die wundervollen,. kuscheligen Pullover, Lederschuhe mit Kreppsohlen, und die interessanten Maedchenbuecher kaufen.
Wie sehr wuenschte sie sich die guten Schuhe, die alle hier anhatten! Ihre groben Stiefel sahen komisch aus neben den Schuhen der anderen Maedchen, und die Kinder hatten ueber sie gelacht. Erst hatte Katie sich etwas gekraenkt darueber, aber als sie runter auf ihre Stiefel schaute, musste sie selber lachen. Damit gewann sie die Freundschaft ihrer Schulkameraden. Schnell hatte sie viele neue Freunde.
Etwas Nasses fiehl ihr auf die Nase. Oh, Schnee! Wie schoen! Es war ja nicht mehr zu lange bis zum Weihnachtsfest, und Schnee war genau das richtige.
Der Gedanke an Weihnachten erinnerte Katie wieder daran, dass sie Geld brauchte. Sie wollte doch ein paar kleine Geschenke fuer ihre Famile kaufen und sie ueberraschen damit.
„Psst. Katie!“ Sie hoerte ihren Namen. Sie schaute um sich und sah Herrn Peters, er winkte ihr zu, zu ihm zu kommen. Er stand an seiner Haustuer. „Katie, koenntest Du mal fuer mich vor in den Laden gehn? Ich kann im Moment nicht weg. Ich gebe Dir gerne was dafuer.“ Katie antwortete: „Ja, Herr Peters, ich gehe gerne.“ “ Gut, Kind, hier ist die Tasche, und der Zettel ist drin fuer Frau Klement.“
Auf dem Heimweg vom Kaufladen fuehlte Katie die Tasche ab. „Ich glaube, da ist ’ne Flasche drin,“ dachte Katie. Herr Peters nahm seine Tasche und gab Katie zwei Groschen in die Hand. „Danke!“ Katie freute sich.
Das war eine gute Idee! Sie koennte ja herumfragen, und dann Besorgungen machen fuer Leute, die keine Zeit hatten, es selbst zu tun.

„Tante Hanna, kann ich was fuer Dich besorgen? Ich will mir ein bisschen Geld zusammensparen fuer Weihnachten,“ erzaehlte sie ihrer Tante. Ihre Tante Hanna war eine kleine runde , blonde Frau mit schoenen blauen Augen. Katie hatte sie lieb.
„Katie, Du kommst zur richtigen Zeit. Ich haette gerne ein paar Bratheringe vom Geschaeft vorne.“
Sie gab Katie eine weisse Schuessel, um die Fische reinzulegen.
Katie beobachtete Frau Klement als sie sich ueber das grosse hoelzerne Fass beugte, um den Fisch herauszuholen. Das Fass stand in einer Reihe mit anderen, die voller Sauerkraut, Gurken und anderem waren. Das Lebensmittelgeschaeft war voller Ueberraschungen fuer Katie; mit vielen wuerzigen Dueften, den Glaesern voller Suessigkeiten, und den Wuersten, die wartend da lagen. Der Duft erweckte Hunger in ihr. Es ware schon mehrere Stunden her, seit sie ein Stueck Brot hatte.
Auf dem Heimweg schaute Katie den Fisch an. Das sah gar nicht schlecht aus, mit der wuerzigen Kruste…Sie zwickte ein kleines Stueck davon ab, bloss zur Probe. Hm, gut! Noch ein kleines Stueck…
Bald sah sie das Haus ihrer Tante. Sie schaute nochmal auf den Fisch. Oh, der war ja so gut wie nackt!
Wie war das passiert, wo sie nur mal gekostet hatte? Katie machte sich Sorgen, aber dann legte sie alles auf die andere Seite, und man konnte es gar nicht mehr sehen. Ob die Tante das wohl merken wird?
Tante Hanna nahm den Fisch, und legte alles in eine andere Schuessel, wobei sie merkte, das die braune Haut fehlte. „Aha, da hat einer Hunger,“ dachte sie. „Katie, willst Du ein belegtes Brot haben? ich habe auch gerade eins gegessen.“
Gluecklich und kauend hoppste Katie auf dem Weg heim. „Das ist ja gut, Ich kann mir so Geld sparen. Jeden Tag nach der Schule werde ich herumfragen, ob ich was tun kann.“ Katie war zufrieden mit der Welt. Sie hoffte, in ein paar Wochen, reich zu sein!
Wieder daheim in Omas Haus kletterte sie die Stufen zu ihrem Zimmerchen unter dem Dach.
Hier oben waren auch viele Sachen aufgelagert, wie die Aepfel und Winterbirnen, die Katie mochte. aber da waren auch Rueben und Zwiebeln, die sie nicht gebrauchen konnte. Grosse geraeucherte Schincken und Wuerste hingen von der Decke. Ihre Grosseltern hatten einen Bauernhof, und so machten sie vieles, dass sie brauchten, selber. Katie fand das sehr interessant, aber am liebsten hatte sie all die Tiere, die hier waren. Junge Ziegen und Kaelbchen hatte sie am liebsten, Oh, und auch die suessen Schweinchen! Die waren so goldig, aber das Mutterschwein war oft boese. Da musste man sich in acht nehmen.
Vor ein paar Tagen war das grosse Schwein aus dem Stall gerannt beim fuettern, und war schnell im Hof, wo es zur Strasse raus rennen wollte. Schnell hatte Oma den grossen Hofbesen geschnappt, und die Jagd ging los. Alle Leute rannten ins Haus, weill es ihnen wohlbekannt war, wie boese die alte Sau sein konnte. Oma haute dem Schwein auf die Nase, biss es wieder in den Stall ging. Katie stand da und musste sich das Lachen verkneifen, als die Oma die grosse Sau verfolgte. Es sah doch lustig aus.
Wie waren die Kuehe da doch so anders. Vor kurzer Zeit, als ein Kaelbchen geboren war, hatte Katie viel Zeit im Stall verbracht. Sie hatte sich zu dem Kleinen gesetzt und es umarmt. Es war so warm, weich und schaute sie so lieb an mit dem grossen, samtigen Augen. Katie war doch im warmen Stall eingeschlafen, und schlief waerend es dunkel wurde. Ihre Familie und Nachbarn hatten sie gesucht spaet am Abend, biss der Opa sie da liegen sah,mit ihrem Arm um das Kaelbchen.

Natuerlich hatte Katie was zu hoeren bekommen! Muttie hatte ihe erklaert, dass die grosse Kuh auf sie treten koennte. Aber Katie dachte nie an so was.

Am naechsten Tag, auf dem Weg heim von der Schule, rief Herr Peters sie wieder zu sich. „Katie wuerdest Du wieder zum Laden gehen fuer mich? Ich gebe Dir wieder was dafuer.“ „Ja, gleich, Herr Peters, ich komme sofort zurueck, will bloss meinen Ranzen heimbringen.“ Das war ja gut, sie hatte gar nicht fragen brauchen.
Nachdem sie Herrn Peters Wunsch erfuellt hatte, ging Katie zu ihren Nachbarn; die Zieglers.
„Hallo, ich wollte fragen, ob ich etwas fuer sie erledigen koennte. Zum Laden gehen, oder vielleicht zur Post… ich will mir etwas Geld sparen fuer Weihnachten,“ erklaerte Katie. „Oh, Katie, wir sind gerade dabei, wegzugehen. Aber vielleicht gehst Du mal rein in die Stube und besuchst Louise?“
Katie hatte gehoert, dass sie eine alte Oma bei sich hatten, die im Bett bleiben musste. Das musste bestimmt langweilig sein, immer so im Bett zu sein!
Sie klopfte an die Tuer, und eine Stimme rief: „Komm rein.“ Eine kleine alte Frau sass im Bett, ihre dicken weissen Haare standen um das Gesicht wie ein Heiligenschein. “ Ich bin Katie, und wohne nebenan, mit meinen Grosseltern. Ich wollte mal fragen, ob ich was fuer Sie tun koennte. Ich will mir etwas Geld sparen, fuer Weihnachten.“ Katie stand scheu in der Tuer.
„So, Du bist die Katie. Ich habe schon von Dir und Deiner Famile gehoert. Das ist aber lieb, dass Du mal zu Besuch kommst.“ Louise schaute sich das duenne, rotblonde Maedel an. Sie hatte lange Zoepfe und Sommersprossen. Sie gefiel ihr.

“ Ich bin so viel allein hier, es ist gut, dass Du zu mir kommst. Weisst Du, was mir Spass machen wuerde? Du weisst doch bestimmt, wo die Baeckerei ist? Da holst Du mir doch bitte zwei Apfeltaschen.“
Louise zeigte ihr, wo sie ihr Geld hatte, und Katie ging los.
Wieder zurueck, Katie reichte das Gebaeck zu Louise. “ Sag mal, Katie, weisst Du, wie man Kakao macht?“ fragte Louise. „Kakao? Na klar.“ Wo das doch ihr liebstes Getraenk war! “ Dann geh in die Kueche, mach uns zwei Tassen Kakao und bringe zwei kleine Teller fuer die Apfeltaschen.“
Zu ihrer Freude sass Katie bei Louise und hatte Kakao , Apfeltaschen und eine nette Unterhaltung. Sie fand die alte Dame sehr interessant und war ueberrascht, als es draussen dunkel wurde. Louise hatte ihr vieles aus ihrem Leben erzaehlt.
„Oh, ich muss ja heimgehen. Es wird schon dunkel. Ich habe noch Hausaufgaben zu machen.“
“ Wenn Du kannst, komm morgen wieder.“ Louise reichte ihr zwei Groschen.
„Das ist ja gut,“ dachte Katie auf dem Heimweg, “ Ich habe Kakao gehabt, Unterhaltung, und habe doch noch Geld verdiehnt. Klasse!“
Bald hatte es sich herumgesprochen, das Katie Besorgungen machte in der Nachbarschaft. Sie hatte viel zu tun, aber die meiste Zeit verbrachte sie mit Louise nebenan. Sie waren zu guten Freunden geworden. Katie holte ihr Dinge, die sie selbst nicht reichen konnte, und versuchte, sie so gemuetlich wie moeglich zu machen. Das beste an ihrer Freundschaft warenaber die schoenen Unterhaltungen, die sie hatten. Louise lebte richtig auf, wenn sie so tief in ihrer Vergangenheit weilte. Manchmal mussten sie beide weinen, und oft lachten sie ueber was lustiges zusammen. Katie sass am Bett und haekelte einen weissen Beutel. Louise hatte ihr gezeigt, wie man haekelt. Katie war sehr stolz darauf, und wollte den Beutel mit Bonbons fuellen fuer ihre kleine Schwester.
„Weisst Du, was wir machen? Oben, um den Rand nimmst Du rotes Garn, dann gruenes, und so machen
wir eine Borte, damit es weihnachtlich aussieht.“ Louise freute sich ihre Kenntnisse weiterzugeben. Sie laechelte, als sie Katie beobachtete. Katie steckte immer ihre Zunge raus, wenn sie sich konzentrierte
und ihre langen Zoepfe baumelten auf ihren knochigen Knien. Louise musste grinsen.

Spaeter rannte Katie die Treppe hoch zu ihrem kleinem Zimmerchen und warf sich auf das alte Bett. Sie hatte noch Schularbeit zu tun! In ihrer Hast fiel ihr Buch vom Bett, und als Katie sich runterbueckte fand sie einen Sack unter dem Bett. Es war ein Mehlsack, und sie schaute natuerlich rein. Oh, da waren die Butterplaetzchen, die die Oma neulich gebacken hatte! Omas Plaetzchen waren die allerbesten. Gemacht mit der frischen Butter, die Oma selbst machte, und obendrauf war Zuckerguss mit bunten Weihnachtsdekorationen. Katie musste ein Plaetzchen kosten, dann noch eins. Aber sie wuerde niemand erzeahlen, wo die Plaetzchen versteckt sind– die wuerden sie essen!

Am naechtsem Samstag wachte Katie auf und sah, dass es viel geschneit hatte ueber Nacht. Es sah aus wie im Maerchenland draussen. Alles war zugedeckt mit glitzerndem Schnee. Keine Ruinen zeigten sich, alles sah sauber und unschuldig aus. Katie konnte kaum warten sich anzuziehen, sie wollte in den Schnee rennen und spielen. Gut, das nun Weihnachtsferien waren. Heute nachmittag wollte Katie ihre Schwester mit in die Stadt nehmen und Geschenke kaufen gehn. Sie werden den Buss nehmen. Katie hatte fast 18 Mark gespart, und war sehr stolz darauf.

Aber an diesem Morgen spielte sie mit den anderen Kindern, nachdem Opa einen alten Holzschlitten in der Scheune gefunden hatte. Alle Kinder rannten den Huegel hoch und fuhren mit dem Schlitten wieder runter. Manchmal waren drei Kinder aufgetuermt auf einem Schlitten. Rolf fiel runter auf seine Nase und war ungluecklich. Aber bald hatte er es vergessen und kletterte wieder den Berg hoch.
Nach dem Mittagessen zog sie ihre kleine Schwester Barbara, genannt Bambi, mit dem Schlitten herum. Bambi war erst drei Jahre alt, und wollte den Schnee essen. „Oh, Eis, will ich essen!“ hatte sie gesagt, als sie den Schnee sah.

Zwei Uhr nachmittags kletterte Katie mit Bambi in den Bus, der sie in die nahe Stadt brachte. Beide waren sie voller Erwartung. Alles in der Stadt war geschmueckt fuers Fest und sah so schoen aus. Das grosse Kaufhaus hatte, wie jedes Jahr, die Eisenbahn im Fenster, die durch eine Schneelandschaft fuhr.
Die Bahnwagen waren voller Geschenke und gingen duch Tunnels ,begleitet mit lautem Pfeiffen . Bambi hoppste hoch und lachte laut auf. Festliche Musik kam aus den Lautspraechern. An den Strassenlichtern hingen gruene Girlanden und Glocken.
Katie freute sich ueber alles genausoviel wie Bambi. Sie fand gute Geschenke fuer ihre Familie.Fuer Louise fand sie sogar ein Kreuzwortraetselbuch. Das beste Geschenk, dass sie fand, war bestimmt die kleine Spieldose, die sie fuer ihre Eltern gekauft hatte. Es hatte Engelchen, die sich drehten, und es spielte“Stille Nacht, Heilige Nacht,“ wenn man es aufzog mit dem Schluessel. Katie hatte es sofort lieb gewonnen, als sie es sah.
Nachdem sie oft zugehoert hatten, steckte sie es in ihre grosse Einkaufstasche. Die beiden Maedchen gingen zur Bushaltestelle und waren froh, sich im Bus setzen zu koennen. Alle Leute im Bus waren muede und ruhten sich aus .Es war still, als ploetzlich die kleine Spieldose in Katies Tasche spielte. Durch das Fahren musste es geschuettelt worden sein und nun klangen die suessen Toene durch den stillen Bus. Die Menschen drehten sich um, und schauten woher die Toene wohl kamen. Katie und Bambi kicherten in ihre Haende.

Wieder zuhause versteckte Katie ihre Geschenke unter dem Bett. Schnell griff sie auch ein paar Plaetzchen unter dem Bett, wiel sie nun Hunger hatte.

Nun waren es nur noch zwei Tage bis Heilig Abend, und die Kinder waren voller Erwartung. Louise hatte sich gefreut, dass Katie ihr das Raetselbuch mitgebracht hatte. Louise sah in letzter Zeit etwas blass aus, fand Katie, und sie ueberlegte gerade, wie alt wohl ihre neue Freundin war?
„Katie, gib mir bitte den hoelzernen Kasten dort,“ Louise deutete auf den verziehrten Kasten der immer auf dem Regal beim Fenster stand. “ Ja, gerne, hier ist es.“ Katie stellte es vor sie hin.
Es war ein Schmuckkasten, und Katies Augen wurden immer groesser, als Louise schoene Ketten und Ohrringe in die Hoehe hilt, um sie zu zeigen. Louise erzaehlte ihr, wo sie die Stuecke erhalten hatte.

Nun hatte sie eine Kette mit einem Anhaeger in der Hand. “ Komm mal her , und schau Dir das an. Mein Vater hat mir das geschenkt, als ich so alt wie Du war. “ Der goldene Anhaenger konnte aufgeklappt werden, und es war Platz fuer zwei kleine Bilder drin. Vorne war ein glaenzender Stein, der bestimmt ein Diamant war! “ Mensch, Louise ist reich,“ dachte Katie. “ Komm her und sage mir, ob es Dir gefaellt,“ sagte Louise“ Ich hatte vor, es Dir zuschenken, zur Erinnerung an mich.“ „Oh, es ist wunderschoen, aber ich darf das bestimmt nicht annehmen, “ meinte Katie. „Doch, das kannst Du nehmen, weil Du mir Freude bereitest, wenn Du es traegst.“ Louise schenkte ihr den schoenen Anhaenger mit der goldenen Kette! Katie war ja so stolz darauf. Sie lachte laut auf vor Freude.
Spater, als Katie ihr aus einem Buch vorlas, schaute sie auf, und fand, das ihre Freundin eingeschlafen war. Katie ging heim.

Am naechsten Morgen, Heilig Abend Morgen, hatten sie alle noch vile zu tun fuer die Feiertage. Katie hilf Oma und Mutti in der Kueche. Sie war schon voller Erwartung! Der Weihnachtsmann kam ja spaeter am Abend. Sie konnte es kaum erwarten, die Ueberraschung zu sehen auf den Gesichtern ihrer Famile, wenn sie die Geschenke von ihr oeffneten.
Es klopfte an der Tuer, und Frau Ziegler von nebenan kam herein. Sie hatte Traenen in den Augen, als sie berichtete, dass sie Louise tot in ihrem Bett gefunden hatte. Sie muss in der Nacht friedlich fuer immer eingeschlafen sein.
Katie war ganz ueberweltigt. Was, ihre neue Freundin, die sie so lieb gewonnen hatte, war nun eingfach weg? Aber sie hatte doch vor, sie noch so viele mal zu sehen, erzaehlen hoeren, Fragen stellen zu koennen, sie wollte mit ihr lachen, und auch mal getroestet werden…Nun war das alles vorbei? Katie weinte.
Ihre Mutti kam zu ihr und umarmet sie:“ Katie ich weiss, dass es nicht leicht ist, eine liebe Freundin zu verlieren. Du hast aber das Glueck gehabt, sie kennen zulernen. Ihr habe Euch gegenseitig Freude gemacht, und Du hast ihr diese letzte Zeit auf dieser Welt so viel schoener gemacht mit Deiner Freundschaft. Sicher wrid Louise Dich beobachten vom Himmel.“
Aber Katie’s Herz war so schwer.
Spaeter am Abend ging Katie mal in den Hof, um frische Luft zu schnappen. Sie blickte hoch in den klaren, kalten Winterhimmel, wo tausende von Sternen funkelten. Sie dachte an Louise, und hoffte, das Gott sie willkommen hiess. Ihre Hand legte sich gegen die schoene Kette, die Louise ihr gegeben hatte.Das Gold fuehlte sich warm an. “ Ich werde ein Bild von Dir in diesen Anhaenger tun, Louise. Solange ich an Dich denke, wirst Du wohl immer bei mir sein.“ Katie war es etwas leichter ums Herz.
Der Tisch wurde gedeckt fuer die Abendmalzeit. Oh, heute wird das ja ein besonderer Schmaus werden! So viele gute Sachen! „Bestimmt sind wir reich, und ich wusste es gar nicht!“ dachte sich Katie.
„Katie lauf doch mal hoch in Dein Zimmer,“ sagte Oma zu ihr, “ und hole den Sack mit den Plaetzchen, den ich unter dem Bett versteckt habe.“ “ Ja, mach ich schon ,“ antwortete Katie. Oh, der Sack fuehlte sich aber leicht an! Ob die Plaetzchen wohl mit der Zeit schrumpfen?
“ Na, da sind ja nur noch ein paar hier drin? Katie, weisst Du vielleicht, was hier passiert ist?“ Oma schaute sie verwundert an. „Oh, Ahh, na ja, .. ich glaube, ich habe vielleicht, so manchmal, ab und zu versehends eins gegessen, vielleicht,“ Katie schaemte sich. „Was, Du hast die alle gegessen?“ fragte ihre Mutti nun. Aber da kam ihre Oma zur Hilfe. „Ach, lass die Kleine, es ist doch nicht schlimm. Wir haben noch so viele andere gute Sachen zum essen. Da ist der gute Stollen, die Kuchen…lass sie nur in Ruhe,“ meinte die Oma. Katie war froh dareuber.
Etwas spaeter nahm Katie ihre kleine Schwesterr bei der Hand, und ging in mit ihr in ihr Zimmer zum Spielen. Bambi glaubte , dass der Weihnachtsmann kommen wuerde. Katie wusste schon , das Mutti und Vati die Geschenke aufbauen unter dem Baum. Dann klopfte Vati mit seinem Stiefel auf das Dach, und Bambi schrie ganz erregt: “ Das ist der Weihnachtmann! Ich will ihn sehen!“ „Na komm, wir gehn ins Wohnzimmer und schauen, was los ist, “ meinte Katie. Bambi rannte schnell, um den Weihnachtsmann noch zu sehen. Aber als sie den leuchtenden Baum mit all den Gaben sah, war sie erst mal sprachlos, dann klatschte sie in ihre Haende und stuermte auf ihre Geschenke los.
Alle waren zufrieden mit ihren Gaben. Mutti und Vati fanden die Spieluhr wunderschoen, was Katie gluecklich machte. Katie war am meisten von ihren neuen Schuhen begeistert. Nun brauchte sie sich nicht mehr zu schaemen in ihren alten Stiefeln. Gleich am Morgen wuerde sie ihren Grosseltern im Osten von Deutschland davon berichten. Der Opa hatte diese Schuhe immer „Leisetreter“ genannt. Nun hatte sie selber welche!
Sie stand am Fenster und schaute in den dunklen Himmel. Irgent wo da draussen war ihre Freundin. „Ich hoffe, wo Du auch immer sein magst, Louise, dass Du gluecklich bist.“ Sie wusste, dass sie noch viele Weihnachten in ihrem Leben haben wuerde, und sie freute sich auf ihr „Neues Leben.“