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War Weihnachten früher schöner?

Wenn man in diesen besonderen Tagen die Mitmenschen beobachtet, könnte man sich diese Frage schon stellen. Jeder hastet von einem Geschäft zu anderen, um Dinge zu kaufen, mit denen dann ohnehin keiner Freude hat, die dann umgetauscht oder zurückgegeben werden.

In meiner Jugend, so ungefähr im Jahr 1958, (ich war 8) war das noch ganz anders.

Als Klosterschulbesucherin hatten wir damals eine sehr beliebte Lehrerin, die im Advent jeden Morgen feierlich die jeweils erlaubte Zahl an Kerzen des Kranzes anzündete, dann wurde von uns Mädchen ein Weihnachtslied gesungen.

Es lief alles viel ruhiger ab, als heute. Stress kannte niemand.

Wir Mädchen legten morgens – sofern wir hatten – einen Apfel in das Fach des grüngekachelten und zuvor von der Hausdienerin eingeheitzen Ofens, nach einiger Zeit begannen die Äpfel zu braten und zu duften. Voller Vorfreude auf das zu verzehrende Stück warteten wir auf die Pausenglocke. Dann packten alle Schülerinnen ihre mitgebrachte Brote aus, verspeisten sie genüßlich, ebenso die Äpfel. Es gab nicht einmal Milch! Wenn jemand Durst hatte, trank man eben Wasser.

Wenn der Schulunterricht zu Ende war, durften die „braven“ Mädchen jeweils ein Strohhälmchen von einer Schachtel in eine Andere legen, diese sollten dazu dienen, das Jesuskind am 24.12. weich zu betten. Natürlich war jedes Mädchen brav! Auch das wir dabei täglich den Inhalt der selben Schachtel mit den Halmen umschichteten, spielte keine Rolle.

Nebenher studierten wir jährlich ein Krippenspiel ein, welches dann am letzten Schultag aufgeführt wurde.

In den Geschäften des Ortes konnten wir durch die teilweise zugefrorenen Auslagenscheiben immer wieder unsere Wunschgeschenke betrachten, die wir aber sicherlich nicht erhalten würden. Nach dem Krieg hatte niemand sehr viel Geld für solche Dinge, aber den Träumen nachhängen, das durften wir schon.

In dem Dorf wo ich aufwuchs, gab es ein spezielles Fenster, wo die Krämerin kleine Schokoladen-Nikoläuse und Lebkuchen-Krampusse hinlegte. Wenn die nun auch noch mit Dörrzwetschken und Erdnüssen umlegt waren, kannte unsere Begeisterung kaum Grenzen! Mehr erhielten wir nicht zu Nikolo, aber das war genug, jeder freute sich enorm! Adventkalender, ja den hatten wir – mit Bildchen.

Am letzten Schultag schließlich, als wir Kinder in die Klasse kamen, da strahlte auf jeder Schulbank ein kleines weißes Kerzchen auf einem Tannenzweig, daneben lag ein Zuckerringerl, liebevoll hergerichtet von der Frau Lehrerin. Dieser wunderschöne Anblick hat sich regelrecht in meine Erinnerung gebrannt. Es war rührend und herzlich, alle Mädchen waren begeistert davon.

Das sollten wir unseren Kids heute vorlegen, die würden kaum einen Blick darauf werfen!

Weihnachten selbst, kaum zu vergleichen mit heute, alles bescheiden, auch das Essen. Aber die Freude vorher und nachher – nicht zu vergleichen mit heute!

Wie freuten wir uns über nur 1 oder 2 Stücke! Keine Hi-Tec Geräte, PC, oder Handy, Fernsehen hatte niemand in meiner Umgebung, das Einzige was fast jeder besaß war ein Radioapparat.

Die Kinder aber waren um vieles zufriedener und hatten sich zum Spielen, einfach nur sich selber! Ganze Horden (auch wir) zogen mit Rodeln auf den Berg oder tollten so im Schnee herum, um anschließend mit roten Backen und gefrorenen Zehen neben dem warmen Ofen wieder mit dem Weihnachtsgeschenken zu spielen, wo unsere nassen Fäustlinge und Mützen zum Trocknen hingen.

Meiner Meininug nach, war es früher wirklich schöner, es gab nämlich etwas, das heute fast niemand mehr hat, wertvoller als Geld – und das war ZEIT!

Einsenderin: Edith Kudlovic